Auch wir sind bisher achtlos an der Gedenktafel für die Eisenstädter BürgermeisterInnen im Gewölbe vor dem Rathaus vorbeigegangen. Bis uns das Mail eines Historikers aus Tirol weitergeleitet wurde, der die Tafel bei einem Aufenthalt in Eisenstadt bemerkt hatte und darauf aufmerksam machte, dass darauf alle Bürgermeister gleichwertig und ohne weiteren Hinweis angeführt sind. Auch jene die während des 3. Reiches eingesetzt, d.h. NICHT demokratisch gewählt wurden.

Fragen die man sich angesichts des Schildes unten im Rathaus stellen kann sind:

  • Ist es richtig, dass da bis heute kein Unterschied gemacht wird?
  • Ist das noch niemandem aufgefallen?
  • Wer sind diese Personen gewesen?
  • Was taten sie, was wurden sie und welche Rolle spielten sie im Bezug auf jene EisenstädterInnen, die von der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung profitierten?
  • Was dokumentieren solche Tafeln für die Nachwelt?

In anderen Städten begegnet man solchen Tafeln z.B. mit Kommentaren, gerade für junge Menschen sind diese ein wichtiger Anhaltspunkt. Unser Vorschlag ist, einen kleinen KünstlerInnenwettbewerb für Ergänzungen auszuloben. Das muss nicht teuer sein – es geht um eine Idee die eine besondere Zeit, besonders sichtbar macht.

Aufgrund dieses E-Mails haben wir zu recherchieren begonnen und waren überrascht: über die Jahre 38-45 in Eisenstadt sind kaum historische Berichte zu finden. In sehr ausführlichen Abhandlungen endet die Geschichte 1938 und fängt 1945 wieder an. Das Gedenkjahr 80 Jahre „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland wäre eine gute Gelegenheit zur Aufarbeitung. Jetzt leben noch die letzten Zeitzeugen, die befragt werden können. Zum Beispiel im Rahmen einer Geschichtswerkstatt Eisenstadt, einem kleinen zeithistorischen Projekt an dem sich insbesondere SchülerInnen und Schüler beteiligen.

 

 

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